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Der Lechweg oder die Erfindung des Schuhplattlers


Samstag, 25. Juli 2026

Von Stuttgart nach Zug am Arlberg und vom Formarinsee nach Zug

Pünktlich um 6:40 Uhr geht es los bei mir. Im Auto sitzen außer Beate und Klaus schon Petra und Carmen. Wir haben es kuschelig zu dritt auf dem Rücksitz. Wir hatten viel Verkehr erwartet, aber es gibt tatsächlich nirgendwo Stau und so schaffen wir es in weniger als 3 Stunden nach Zug am Arlberg. Wir checken ein im Hotel Alphorn, wo ich mir mit Petra, die ich vor 4 Stunden noch gar nicht kannte, ein Zimmer teile. Mit dem Bus fahren wir zum Formarinsee und von da wandern wir die circa 14 km zurück zum Hotel. Es ist recht frisch, aber es bleibt zum Glück trocken. Kurz vor dem Ziel kehren wir in der Nähe des Golfplatzes von Lech ein. Bestimmt würde es Spaß machen, dort einmal zu spielen.

Biergarten am Fischteich am Golfplatz von Lech

Im Hotel Alphorn haben wir heute Abend leckere Halbpension, sitzen danach noch ein wenig draußen, bis es anfängt zu regnen und dann haben wir eine early Night.

Sonntag, 26. Juli

Von Zug nach Lechleiten – 16 km

Heute wird es ernst. Alles, was nicht mit muss, kann im Auto bleiben, der Rest wird im Rucksack verstaut, den wir fortan auf dem Rücken bei uns tragen.

Den Regenüberzug haben wir schon über den Rucksack gemacht und schon nach kurzer Zeit können wir auch unsere restlichen Regenklamotten anziehen. Der Regen wird uns für den Rest des Tages begleiten. Auf glitschigen Wegen, Steinen und Wurzeln geht es munter bergab und bergan. Ich merke deutlich, dass ich keine geübte Wandersfrau bin.Zur Mittagszeit gibt es in einem Gasthof in Warth für alle eine warme Suppe und dann geht es zurück in den Regen.

Patschnass aber glücklich über ein Bänklein

Irgendwann stehen wir plötzlich und früher als erwartet vor unserer heutigen Unterkunft, dem Bio Bauernhof Gehren. Herzlich werden wir von der Wirtin Liesl begrüßt. Unsere nassen Sachen dürfen wir in der Waschküche aufhängen mit der Versicherung, dass sie am nächsten Tag trocken sein werden. Während Beate, Petra und Carmen von Liesl in die Gegebenheiten des Hauses eingewiesen werden, nehmen Klaus und ich schon mal den ersten (und zweiten) Begrüßungsschnaps ein.

Alles ist bis ins Detail sehr liebevoll gestaltet in diesem Haus und auch das Essen soll hervorragend sein. Nützt uns aber nichts, denn heute hat Liesl frei und wir müssen beim Pizzaservice bestellen. Na ja, satt werden wir immerhin.

Von der Liesl bekommt jeder von uns ein Paar Hausschlappen geschenkt. Diese dürfen wir mitnehmen und die werden uns im Verlaufe der Wanderung noch gute Dienste leisten.

Montag, 27. Juli

Von Steeg nach Holzgau – 19 km

Heute geht es circa 19 km von Steeg nach Holzgau. Der Weg stellt sich als entspannter heraus als der von gestern. Es sind weniger Höhenmeter auf und ab und geht sich damit einfacher. Wir starten noch warm bekleidet, aber im Laufe des Tages fallen die Hüllen.

Leider machen sich meine Füße bemerkbar. Zusätzlich zu meinen üblichen Fußproblemen ist mein linker großer Zeh blau. Da ist mir letzte Woche ein schwerer Hotelzimmerschlüssel drauf gefallen und auch meine beiden kleinen Zehen wollen sich nicht mehr so recht in die Schuhe fügen. Da ich davon ausgehen muss, dass mein Kilimanjaro-Wanderschuh sich in den letzten drei Jahren nicht verändert hat, werden es wohl die Füße sein.

In Holzgau sind wir im Hotel Post untergebracht. Ziemlich spartanisch, dafür nicht ganz billig. Aber es gibt eine Sauna und die tut den verkrampften Muskeln gut.

Am Abend entscheide ich mich ausnahmsweise mal Fleisch zu essen und bestelle ein Wienerschnitzel. Leider ist das Fleisch sehnig und die Panade auch nicht so wie sie sein soll. Also künftig lieber kein Fleisch mehr.

Nach dem Essen machen Petra, Carmen und ich noch einen kleinen Rundgang durchs Dorf und zum Abschluss lädt uns Carmen auf einen Schnaps in die Bar ein.

Dienstag, 28. Juli

Von Holzgau nach Elbigenalp – 13,4 km

Bei Kaiserwetter gehen wir heute eine sehr anstrengende Etappe von Holzgau nach Elbigenalp. Nach kurzem Anstieg erreichen wir schon die längste Hängebrücke Europas. Alle wagen sich tapfer darüber (was bleibt ihnen auch anders übrig).

Ich finde den Weg heute sehr anstrengend. Es geht ständig steil hoch und runter über Wurzeln und Steine. Mir tun die Zehen weh und die Knie und ich frage mich, was ich hier tue. Zu allem Überfluss gibt es Unmengen von Bremsen und wir werden total zerstochen.

Unterwegs beschließen wir an einer ufernahen Stelle, wenigstens mal die Füße in den Lech zu hängen. Das ist so herrlich. Ein ganz klarer und kalter Gebirgsbach und es tut wirklich gut.

Unser heutiges Ziel ist das Hotel Panorama in Elbigenalp. Rustikales Haus, moderne Bäder, sehr bequeme Betten. Was will man mehr. Das Wasser bei der Toilettenspülung dreht irgendwie andersrum (oder so ähnlich) und die Spülkästen sind ganz flach.

Blick aus dem Hotel Panorama – Fotos vom Bad gibt es leider nicht

Auf dem Weg zum Essen besichtigen wir die berühmte Freilichtbühne im Dorf. Jedes Jahr wird dort ein anderes Volksstück mit Laiendarstellern aufgeführt. Leider ist heute keine Vorstellung, sonst hätten wir sie gerne besucht. Abendessen gibt es heute lecker im Gasthaus Geierwally.

Mittwoch, 29 Juli

Von Elbigenalp nach Stanzach – 19,4 km für die meisten

Weiter geht es heute nach Stanzach. Das sind in etwa 19,4 Kilometer. Seit es nicht mehr regnet, also seit Montag, sind wir ein gefundenes Fressen für die Bremsen. Sie verfolgen uns auf Schritt und Tritt, und niemand außer Carmen bleibt verschont. Irgendjemand aus der Gruppe sagt, dass so wohl der Schuhplattler erfunden wurde. Sobald man nämlich spürt, dass eine Bremse auf der Wade sitzt, hebt man dieses Bein an und versucht, mit der anderen Hand die Bremse, tot zu klatschen. Aber allen Versuchen und auch Antibrumm zum Trotz werden wir leer gesaugt.

Mir tun heute so abartig die Füße weh, also der blaue Zeh und die beiden kleinen Zehen, dass ich nach unserer Mittagspause die Wanderung abbreche und mich noch eineinhalb Kilometer zur nächsten Bushaltestelle in Elmen schleppe. Dort muss ich ziemlich lange warten. Zum Glück steht vor dem Gemeindeamt eine Sitzbank im Schatten. Schließlich kommt der Bus, und in wenigen Minuten bin ich in Stanzach und muss auch nicht mehr weit zum Hotel laufen. Die Wanderschuhe habe ich schon lang von mir geworfen und gehe in meinen bezaubernden rosa Wandersandalen weiter.

Neben dem Hotel befindet sich ein Schuhladen, und da ich ja noch Zeit habe bis die anderen kommen, mache ich einen kleinen Abstecher dorthin. Ich schildere dem Besitzer mein Leid. Dem ist das natürlich nichts Neues. Häufig kommen hier Touristen her, die in ihren Schuhen nicht mehr laufen können. Nach einiger Suche präsentiert er mir einen optisch gefälligen und total bequemen Lowa Leichtwanderschuh, den ich erwerbe.

Im Hotel Post gibt es ein exzellentes Abendessen (die Spinatknödel sind legendär!) und zurück in unserem Hotel schnapseln wir noch ein bißchen. Leckere Schnäpse kosten hier nur 2,50 €. Das muss man ja ausnutzen. Beim Schnapseln belästigen uns ausnahmsweise keine Bremsen, sondern Wespen.

Donnerstag, 30. Juli

Von Stanzach nach Wängle – 21 km

Man braucht nicht viel…

Nach dem Frühstück im Hotel Waldhof bringe ich meine Wanderstiefel zur Post, damit ich sie nicht auch noch tragen muss. Hoffentlich erlöse ich bei Ebay wenigstens die Portokosten.

Heute geht es etwa 21 km von Stanzach nach Wängle. Der Weg heute ist recht einfach zu gehen. Und ich bin total beglückt, dass ich mit den neuen Schuhen wunderbar laufen kann. Am Ende sind es 21 km ohne Blasen und ohne Druckstellen und ohne Beschwerden.

Zu Mittag gibt es heute eine Pizza für vier und wie immer ein alkoholfreies Weißbier und dann geht es weiter. Heute laufen wir ein gutes Stück auf dem Lechradweg. Das ist nicht so super angenehm, weil sonnig, heiß, betoniert und ein Radfahrer am anderen rauscht vorbei und ich beneide sie alle.

Auf steinigem Grund leisten unsere Hausschlappen von der Liesl gute Dienste

Nach 20 km sind wir dem Ziel schon relativ nah. Es geht nur noch 1,5 km einen Buckel hoch in der Hitze. Erschöpft stärken wir uns an einer Tankstelle mit Soda Citron.

Im Hotel Talhof angekommen freuen wir uns auf ein Bad im kleinen Pool. Ich habe zwar keinen Badeanzug mit, aber ich finde ein schwarzer Sport-BH mit schwarzem Slip kann als eine Art Bikini durchgehen. Klaus hat derweil versehentlich ein anderes Hotel angesteuert und muss noch einige hundert Strafmeter gehen.

Der Vierte von der Tankstelle

Nach dem (nicht besonders leckeren) Essen sitzen wir noch ziemlich lang bei Aperol Spritz und Bier auf der schönen Hotelterrasse. In den Zimmern ist es mittlerweile so warm, dass wir die Bettdecken abziehen und uns nur mit dem Bezug zudecken. Ein Vorteil der Temperaturen ist, dass alle Kleidungsstücke, die wir mal kurz rauswaschen, am nächsten Tag wieder trocken sind.

Freitag, 31. Juli

Von Wängle nach Füssen – 25 km

Letzter Abmarsch vom Hotel Talhof in Wängle

Hochmotiviert nehmen wir die letzte und längste Etappe (ca. 25 km) in Angriff. Es geht von Wängle bis Füssen beziehungsweise für die Abkürzer bis Pflach.

Wir starten bergauf, wandern dann über einen schönen Panoramaweg, den auch die Bremsen sehr schätzen und dann schnell bergauf zur Costarieskapelle.

Am wunderschönen Frauensee gibt es im Biergarten noch ein Getränk. Dann geht es weiter über den Vogelbeobachtungsturm nach Pflach.

Pflach ist ein dröges Kaff, wo es außer viel Verkehr und geschlossenen Einkehrmöglichkeiten nichts gibt. Von hier aus geht es für Beate und Petra weiter über den Lechweg während Klaus, Carmen und ich auf dem Bus nach Füssen warten. Dies tun wir in Ermangelung einer anderen Möglichkeit auf dem Parkplatz eines Supermarkt.

Nach der Ankunft in Füssen checken wir im Hotel Hirsch ein. Mein Doppelzimmer mit Petra ist winzig und heiß. Das Bad ist noch winziger und anstelle einer Dusche ist eine Miniatur Badewanne installiert, so dass man zum Duschen dann über den hohen Rand steigen muss.

Das Zwergenzimmer

Abends, nach Ankunft der beiden Heldinnen Petra und Beate gibt es beim Italiener eine Flasche Prosecco und ein leckeres Essen. Petra und ich bummeln noch ein wenig über das Stadtfest in Füssen und beschließen den Abend mit einem Absacker auf der Hotel Terrasse.

Der Lechfall hat abends geschlossen – schade

Im Zimmer ist es heiß und stickig und furchtbar laut, aber irgendwann schläft man ja trotzdem.

Samstag, 1. August

Es geht zurück nach Zug, wo das Auto steht. Die Fahrt mit diversen Bussen dorthin klappt reibungslos und es ist unheimlich interessant die Strecke, die wir gewandert sind, nun vom Bus aus zu sehen.

Auf der Heimfahrt haben wir wieder Glück. Trotz Ferienende in manchen Bundesländern geraten wir in keinen Stau. In Hergetsweiler machen wir einen Tankstopp und beschließen beim Feuerwehrfest etwas zu essen. Tja, die rote Wurst war scheußlich, da kaum gebraten und die Leute auch nicht wirklich nett. Das mag an der drückenden Hitze und Schwüle im Festzelt gelegen haben.

Am frühen Abend kommen wir in Stuttgart an. Die Unentwegten sind 135 km gegangen. Ich ca. 19 km weniger (Lusche). Obwohl ich oft geflucht habe, ist mein Fazit absolut positiv. Es war ein schönes Erlebnis in toller Landschaft und – das Allerwichtigste – in einer super netten Truppe, die sich allzeit gut verstanden hat.

Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Beate, die das meiste organisiert hat und auch an Petra, mit der ich manches Mal das Zimmer geteilt habe und überhaupt an alle unterhaltsamen Mitwanderer/innen.

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