oder Auf der Polizeistation
Kurztrip nach Mallorca – 31. Oktober bis 3. November 2025
Freitag – Anreise und erster Tag in Palma
Pünktlich am Freitagmorgen starten wir von Stuttgart aus Richtung Palma de Mallorca. Gegen 10:30 Uhr landen wir bei wunderbarem, spätsommerlichem Wetter. Schon die Fahrt mit dem Bus in die Stadt vermittelt Urlaubsstimmung – Sonne, Palmen und das Gefühl, endlich raus zu sein.
Von der Endhaltestelle sind es nur wenige Minuten zu Fuß zu unserem sehr schönen City-Hotel Saratoga. Die Zimmer sind noch nicht bezugsfertig, daher genießen wir zunächst auf der Dachterrasse ein Glas Wein mit spektakulärem Blick über Palma: Kathedrale, Yachthafen, Dächermeer – alles liegt uns zu Füßen. Später stößt Renate zu uns, und aus einem Glas werden schnell drei – auf fast nüchternen Magen.





Ursprünglich wollten wir mit dem Fahrrad nach Arenal fahren, entscheiden uns aber – zum Glück – für den Bus. In Arenal ist es ruhig, fast verschlafen. Wir bummeln ein wenig, essen hervorragende Tapas, trinken noch etwas Wein und sind beim Rückweg nach Palma froh, nicht im Dunkeln auf dem Rad unterwegs zu sein.



Wir verabschieden uns von Renate nachdem wir uns für den nächsten Tag verabredet haben und machen auf den letzten Metern zum Hotel noch einige kurze Abstecher in die schönen Geschäfte. Auf der Hoteldachterrasse gönnen wir uns noch einen kleinen Absacker, bevor wir früh schlafen gehen.



Samstag – Soller, Fornalutx und La Comisaría de policía
Heute steht ein Ausflug mit dem historischen Touristenzug nach Sóller auf dem Programm. Die nostalgische Bahn ist zwar hübsch, aber mit 40 Euro für Hin- und Rückfahrt eindeutig überteuert. Allzu spektakulär ist die Strecke auch nicht, doch der Zielort entschädigt ein wenig: Sóller ist malerisch – und voller Touristen.


Wir beschließen, nach Fornalutx zu wandern. Der Weg dauert etwa zwei Stunden und führt uns durch wunderschöne Berglandschaft. Immer wieder werden wir von Teilnehmern eines Langstrecken-Bergrennens überholt. Irgendwann melden sich jedoch Rücken (bei Coni) und Hüfte (bei mir), also geht’s um 14 Uhr mit dem Zug zurück nach Palma. Zuvor gönnen wir uns noch ein Bier auf dem Hauptplatz und ein traditionelles Orangen-Eis – geschmacklich eher durchschnittlich.





Zurück in Palma dann der Schock: Conis Geldbeutel mit allen Karten und Papieren ist weg. Aus einer geschlossenen Reißverschlußtasche im geschlossenen Rucksack unbemerkt geklaut. Wir suchen mit Google Maps die Polizeistation – und erleben dort ein Kapitel, das eher in einen Film gehört. Zunächst zieht man eine Nummer: 81. Angezeigt aktuell ist Nummer 60, und die Bearbeitung jeder Nummer dauert eine knappe Stunde.

Man kann sich also ungefähr ausrechnen wann Coni drankommen wird… Wir gehen also zwischendurch ins Hotel, essen in der Nähe und Coni sprintet vom Restaurant alle halbe Stunde zurück zur Wache, um nachzusehen wie weit sie mit den Nummern gekommen sind.
Nach dem Essen machen wir uns zu dritt auf zur Polizei und warten die Nummer 81 ab. Im Wartebereich erfährt man von weiteren Geschädigten haarsträubende Geschichten. Gegen 20:30 Uhr – nach viereinhalb Stunden – ist Nummer 80 dran. Der Besitzer der 80 hat offenbar schon aufgegeben (vielleicht musste er auch auf sein Kreuzfahrtschiff zurück) und wir gehen davon aus, dass wir nun drankommen. Aber mitnichten: man lässt uns nochmal eine Viertelstunde lang in der Gegend herumstehen. Dann sind wir endlich dran. Der Polizist spricht weder Englisch noch Deutsch, unsere Spanischkenntnisse beschränken sich leider (noch) auf duraznos und sandia, aber Google Translator hilft ein bisschen. Formulare gibt es hier keine, stattdessen wird alles handschriftlich auf einem Schmierzettel festgehalten und ständig ergänzt. Zwischendurch tippt der feiste junge Polizist endlos in seinen PC und wir fragen uns was er da zu tun und zu schreiben hat. Zwischendurch befällt uns das Gefühl, dass es irgendwo eine versteckte Kamera gibt und erleiden halb hysterische Lachkrämpfe aus Verzweiflung und müssen eigentlich froh sein, dass der Polizist uns nicht rausschmeißt.





Nach einer Stunde ist der Bericht fertig und wird Coni zur Kontrolle vorgelegt. Leider sind alle relevanten Angaben falsch: Passnummer, E-Mail, Telefonnummer – alles. Nach über fünfeinhalb Stunden ist der Bericht korrigiert, gedruckt und mehrfach gestempelt, und wir sind um eine skurrile Erfahrung reicher.
Sonntag – Mit dem Rad nach Arenal




Heute geht’s sportlich weiter – wir leihen im Hotel Citybikes und radeln erneut Richtung Arenal. Wir frühstücken mit Blick auf Strand und Meer, während der Ort langsam erwacht. Die Rückfahrt gestaltet sich lebhafter: Auf den perfekt ausgebauten Radwegen ist ordentlich Betrieb. In der Hochsaison möchte man hier nicht unterwegs sein.



Unterwegs halten wir in einem herrlichen Strandrestaurant: Sonne, Wind, ein kühles Bier, ein Tinto de Verano – Urlaub pur. Danach noch etwas Entspannung auf der Hotelterrasse im Liegestuhl, bevor es abends in den Szene-Stadtteil Santa Catalina geht. Nach längerem Suchen finden wir einen Inder mit gemütlicher Außenterrasse. Das Essen ist hervorragend, und die Rechnung überrascht positiv: Vorspeise, Hauptgerichte, eine Flasche Wein und Wasser – günstiger als ein Frühstück im Hotel.



Montag – Abreise
Der letzte Tag beginnt früh: um sieben Uhr ins Fitnessstudio, danach ein ausgiebiges Frühstück im Hotel. Die fehlenden Dokumente wegen des gestohlenen Geldbeutels sind am Flughafen kein Problem – offenbar ein bekanntes Thema hier.
Der Rückflug nach Stuttgart startet pünktlich. Dort erwarten uns Sonnenschein, aber kühle Temperaturen – und der Alltag hat uns wieder.
Fazit:
Ein Kurztrip voller Sonne, Genuss und Abenteuer, die kein Mensch braucht – mit wunderbaren Ausblicken, unerwarteten Polizeierlebnissen und der Erkenntnis, dass Mallorca selbst Ende Oktober noch ein traumhaftes Reiseziel ist – wenn man denn ein silbernes Bauchtäschlein dabei hat.
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